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Der Seele Raum geben

Einblicke in die evangelische Klinikseelsorge am Universitätsklinikum Augsburg

In einem Zimmer liegt isoliert eine Frau, allein. Die Patientin hat bei der Aufnahme ins Klinikum angegeben, dass sie evangelisch ist, und so darf ich ihren Namen und die Verweildauer im Klinikum erfahren (Datenschutz!). Seit fast drei Monaten ist sie bereits im Haus. Sie ist erst etwas zögerlich, als ich bei ihr klopfe, mich vorstelle und frage, ob ich zu ihr reinkommen dürfe. Aber anscheinend wirke ich doch so vertrauenerweckend, dass sie „ja“ sagt. Ich trete nochmals vor die Tür, ziehe einen Kittel, Haube, Mundschutz und Handschuhe an und besuche sie. In dem Gespräch erfahre ich eine lange Krankheitsgeschichte – immer noch mit offenem Ausgang. Sie ist langsam mit ihrer Geduld am Ende und auch die Hoffnung schwindet immer mehr. Sie beginnt zu weinen und redet sich „alles von der Seele“. Die Krankheit fordert schon genug Kraft, doch dann sind da auch noch andere Sorgen: der Arbeitgeber, der wissen möchte, wie es bei ihr nun weiter geht, ein Konflikt mit dem erwachsenen Sohn, ihr Mann, der zwar fast jeden Tag kommt, aber zunehmend bedrückter wirkt. Und dann tagein tagaus immer dieses Zimmer, das sie nicht verlassen kann. …

Im Rahmen der 24-Stunden Rufbereitschaft, die wir für dieses große Klinikum nur leisten können, da wir sie ökumenisch organisieren, werde ich morgens um 5 Uhr in die Notaufnahme gerufen. Bei einer jungen Frau gibt es Komplikationen im letzten Drittel der Schwangerschaft. Sie hat sehr starke Schmerzen. Als sie in die Notaufnahme kommt, sind die Herztöne des Kindes nicht mehr hörbar. Das Kind war tatsächlich verstorben, die Mutter befindet  sich nun wegen einer inneren Blutung in Lebensgefahr und muss operiert werden. Ich finde den verzweifelten Ehemann vor. …

Donnerstag abends um 19 Uhr bietet die evangelische Seelsorge in der Kapelle des Klinikums seit einiger Zeit meist eine meditative Abendandacht mit viel Musik und der Möglichkeit zur persönlichen Segnung an. Vor der Segnung erzählen die Menschen kurz, wofür sie den Segen Gottes erbitten wollen: Ein älteres Ehepaar hatte das Plakat vor der Kaplle gesehen, er hat eine schwere OP vor sich am kommenden Tag und beide bitten um Kraft und Gottes Beistand. Eine relativ junge Frau, die in ihrer Heimatgemeinde engagiert ist, wird im Rollstuhl von ihrem Mann gebracht. Bei ihr hat die Chemotherapie nicht angeschlagen und sie muss sich nun entscheiden, ob sie die Therapie beendet oder noch eine Immuntherapie versucht. Ein Mann kommt immer wieder, er hat seine Frau im Klinikum verloren und diese Andacht gibt ihm Halt. …

Der Seele Raum geben – in einem Umfeld, das sich hoch spezialisiert und professionell um die körperliche Versorgung der Menschen kümmert. Es leuchtet sofort ein, dass es in diesem Umfeld mehr bedarf als guter Medizin und Pflege. Denn irgendwie muss auch die Seele der kranken und betroffenen Menschen hinterher kommen und Raum haben. An kaum einem anderen Ort in unserer Gesellschaft werden einem zudem die Begrenztheit unserer menschlichen Möglichkeiten und die Endlichkeit unseres Daseins deutlicher – und damit die Frage nach Gott, einem Halt und Trost.

Unser evangelisches Dekanat in Augsburg stellt für die Klinikseelsorge am Uniklinikum, in der Kinderklinik und dem Mutter-Kind-Zentrum sowie dem Bezirkskrankenhaus (insgesamt über 2000 Betten) zwei Pfarrstellen bereit. Eine Pfarrstelle ist an die Philippusgemeinde in Westheim angebunden (Pfarrerin Claudia Weingärtler), die andere an St. Thomas in Kriegshaber (Pfarrerin Britta Gamradt). In enger Kooperation mit der katholischen Klinikseelsorge (8 Stellen) können so alle Stationen von einem Seelsorger/einer Seelsorgerin betreut und eine 24-Stunden-Rufbereitschaft garantiert werden. Weitere wichtige Aufgaben sind: Seelsorge auf den Intensivstationen, Einbindung in das Team der Palliativstation und des palliativen Konsiliardienstes, Mitwirkung im Ethikkomitee, Aus- und Weiterbildung z.B. im Bereich Klinische Seelsorge, im Palliativbereich, von Ehrenamtlichen oder an der Krankenpflegeschule, unterschiedliche Gedenkgottesdienste, Zur-Ruhe-Bettungen für ver-storbene Föten unter 500 Gramm, Andachten und Gottesdienste im Bezirkskrankenhaus und im Klinikum, Verabschiedungen, Aussegnungen, Seelsorge an Mitarbeitenden, Gespräche mit Menschen jeder Gesellschaftsschicht und mit unterschiedlichster Bindung oder Nicht-Bindung an die Kirche.

Eine Klinikpfarrstelle hat ein anderes Profil als eine Gemeindepfarrstelle, ist stärker volkskirchlich orientiert und stellt eine wichtige Ergänzung zu den Tätigkeiten in unseren Gemeinden dar. Vernetzung ist das Stichwort! Ohne die Unterstützung von Seiten der Gemeinden könnten wir unsere Arbeit nicht tun. Und umgekehrt besuchen wir gerne Gemeindeglieder, wenn wir von ihnen erfahren oder informiert werden.

Vielleicht haben Sie Interesse an unserer Arbeit bekommen? Vielleicht haben Sie selbst erfahren, wie heilsam es ist, Raum für die Seele zu bekommen in einer beängstigenden oder belastenden Situation. Wir freuen uns über jede Unterstützung!

Falls Sie selbst gerne Besuch hätten oder sich dies für Angehörige wünschen, rufen Sie uns bitte an. In jedem Fall sollten Sie bei der Aufnahme ins Klinikum Ihre Konfession angeben. Vergessen Sie nicht, gut für Ihre Seele zu sorgen!

Ihre Pfarrerin Claudia Weingärtler,

Klinikseelsorgerin am Uniklinikum Augsburg und 2. Pfarrerin von Westheim

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