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Ein Kleiner Ratgeber im Trauerfall

 

Der Trauerfall

Der Tod eines Menschen aus unserer Lebensmitte bringt ein hohes Maß an ungewohnten Fragen mit sich. Von einem Moment zum nächsten gilt das Denken weniger der Suche nach Wegen in die Zukunft; jetzt müssen Menschen den Moment des Abschiednehmens (gegen alle inneren Widerstände) ernst nehmen und diesen gestalten.

Mitten im schmerzhaften Erschrecken über den Tod sind wir gefordert, einen Weg durch ungewisse Ratlosigkeit zu finden.

Sowohl für Glaubende als auch für Suchende ist dies ein ungemein sensibles Unterfangen. Deshalb möchte ich einige begleitende Überlegungen formulieren.

 

Der Weg zur Trauerfeier

Mit dem Versterben eines Menschen geraten viele organisatorische Aufgaben in den Blick, die in ihrer Fülle ratlos stimmen und eine Macht entwickeln können, das besondere Abschiednehmen in den Hintergrund zu rücken. Deshalb ist es gut und wertvoll, (fast alle) diese Aufgaben in die Hände eines Bestattungs-Institutes zu legen.
Nehmen Sie sich selbst wahr und ernst: lassen Sie sich helfen, einen persönlichen, ruhigen und weitsichtigen Abschied nehmen zu können.

  1. Im Trauerfall nehmen Sie zunächst Kontakt mit einem Bestattungs-Institut Ihres Vertrauens auf.
  2. Zeitgleich sprechen Sie bitte Ihre,n Gemeinde-Pfarrer,in Denn mit ihm/ihr können Sie begleitet durch die Trauerzeit gehen.
  • Im verabredeten Trauergespräch wird die Persönlichkeit des/der Verstorbenen gewürdigt, damit Sie die Ansprache bei der Trauerfeier in seelsorglicher Nähe erfahren.
  • In der Trauerfeier wird ein biblisches Wort im Mittelpunkt der Ansprache stehen; manches Mal wünschen sich Angehörige hierzu den Taufspruch des/der Verstorbenen; dieses Bibelwort bildet so eine umfassende Klammer zu dessen Lebensweg.
  • Singen ist eine tröstende Weise, der erfahrenen Sprachlosigkeit heilsam begegnen zu können. Neben vorgetragener Musik halte ich deshalb das gemeinsam gesungene Lied für eine kräftigende Möglichkeit, einander zu stützen. Ihre Wünsche können Sie im Gespräch mit Ihrem Seelsorger einbringen.
  • Jede,r Seelsorger ist auch nach den Tagen der Beisetzung für Sie da! Die Trauerzeit ist lang, tiefgreifend und überraschend. Nehmen Sie das Angebot der persönlichen und begleitenden Seelsorge gern an!

Eine Grabstätte finden

Bevor (!) Sie an eine Friedhofs-Verwaltung herantreten, um eine geeignete Grabstätte zu erwerben, sollten Sie im Kreise der Angehörigen in Ruhe folgende Überlegungen besprechen:

  1. Wo soll die Grabstätte sein?
    Es kann hilfreich sein, eine geographische Nähe zu wählen, um einen späteren Besuch des Grabes unbeschwert erfahren zu können.
  2. Welche Art der Bestattung wünschen wir uns?
  • Neben der Erdbestattung im Sarg ist es aus verschiedenen nachvollziehbaren Gründen üblich geworden, eine Feuerbestattung in der Urne zu wählen.
    Ihr Bestattungs-Institut kann Sie bei der Entscheidung gut beraten.
  • Seit einigen Jahren bieten viele Friedhöfe auch die Möglichkeit einer Beisetzung an einem Ruhe-Baum oder in einem eigenen Friedwald. Diese Bestattungs-Art nimmt den Wunsch nach einer Beisetzung im schöpfungs-nahen Erfahrungsraum ernst.
  1. Dem Wunsch einiger Menschen nach einer anonymen Beisetzung möchte ich (m)einen Gedanken zur Seite stellen:
  • Die Entscheidung, den Nachkommen finanziell „nicht zur Last fallen“ zu wollen, ist wichtig und sehr ernst zu nehmen; die Kosten rund um eine Bestattung sind erheblich.
  • Dennoch ist es für Menschen oft sehr viel wertvoller als zunächst gedacht, einen „Ort der Erinnerung“ zu wissen.
  • Auch im christlichen Glauben sind wir der festen Überzeugung, dass von Gott, dem Begleiter unseres Lebens und Sterbens, kein Geschöpf der Vergessenheit überantwortet wird; Gott wird jedes Geschöpf in seinem ewigen Leben bergen und beim Namen nennen.
    Unsere Bestattungs-Kultur sollte dieser festen Hoffnung ein Wort reden.
  • Aus diesem Grund gibt es auf vielen Friedhöfen zunehmend die Möglichkeit, ein Rasen-Grab zu nutzen. Hier wird es keine zu pflegende Grabstätte geben; aber eine Tafel mit dem Namen und den Lebensdaten des/der Verstorbenen schenkt Ihnen als Nachkommen die Möglichkeit zum „nahen“ Gedenken.

 

Abschied am Grab

  1. Nach der Trauerfeier in der Friedhofs-Kapelle oder der Aussegnungshalle folgen wir den Sarg/Urnen-Trägern an die Grabstätte. Dort nehmen wir Abschied und geben Zeichen für das irdische Bei-uns-Seins des/der Verstorbenen zur Erde.
    Nach dem gottesdienstlichen Ritus treten Menschen an das Grab, um persönlich in stillem Gebet Abschied zu nehmen.
  2. Dieser Moment ist unendlich verletzlich. Und: genau in diesem Augenblick fehlt uns eine „Sprache“, in der wir unseren Empfindungen Ausdruck verleihen können.
  3. Statt der Suche nach gesprochenen Worten möchte ich dazu ermutigen, die Sprache der Gesten zu nutzen.
  • Der Erdwurf – eine traditionell evangelische Geste – :
    drei Mal Erde in die Grabstätte zu geben … möchte sagen:
    Ich lege Dich in die Hände des Drei-Einigen Gottes. Ich gebe Ruhe. Ich wünsche Dir Frieden in Gottes Ewigkeit.
  • Das Wasser – eine traditionell katholische Geste – :
    dreimal Wasser über der Grabstätte auswerfen … möchte sagen:
    Ich erinnere daran, dass Du getauft bist. Gottes Versprechen, Dich zu begleiten, ist im Leben wie im Sterben unverbrüchlich. In meiner eigenen Taufe lasse ich mich deshalb von meinem Gott begleiten und trösten.
  • Die Blütenblätter und Blumen – eine traditionell nichtreligiöse Geste – :
    Blumen oder Blütenblätter in oder an die Grabstätte legen … möchte sagen:
    Ich spüre und ehre die innige Beziehung zwischen Dir und mir. Zuneigung und Liebe ist die Kraft zum Leben. Gott selbst ist die Liebe. Er lässt Dich und mich leben, auch wenn wir sterben.

Die gewohnte Unterscheidung dieser Gesten-Sprache in konfessionelle Zugehörigkeit sollte der Vergangenheit angehören! Die tröstende Kraft dieser persönlichen Sprache möchte vielmehr helfen, Getrenntes zu heilen, beieinander zu halten und die Sinne für Gottes Zukunft mit uns, seinen Geschöpfen, zu weiten.

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